Talk im Trafo 2004

Facetten einer nachhaltigen Unternehmenspolitik

Peter Buomberger / Otto Ineichen / Schüler der Kantonsschule Wettingen

Category: Veranstaltungen

Badener Talk im Trafo zwischen Wissenschaft und Praxis

 

Politiker und Unternehmer werben damit für Produkte und politische Visionen. Nachhaltigkeit ist zum Schlagwort geworden. Der gut besuchte Badener "Talk im Trafo", organisiert von Binder Rechtsanwälte und Ernst & Young, versuchte das Modewort mit Inhalt zu füllen. Unter engagierter Mitwirkung von Schülern der Kantonsschule Wettingen.

 

Peter K. Sonderegger

 

Was ist unter Nachhaltigkeit überhaupt zu verstehen? Für Peter Buomberger geht es darum, die "angestrebten Bedürfnisse der jetzigen Generation zu erfüllen, ohne dass die Möglichkeiten der künftigen Generationen eingeschränkt werden". Der ehemalige UBS-Chefökonom leitet heute das Center for Corporate Responsibility and Sustainability der Universität Zürich. Am fünften Badener "Talk im Trafo", einer Gemeinschaftsveranstaltung von Binder Rechtsanwälte und Ernst & Young, vertrat Buomberger die wissenschaftliche Seite. Neu-Nationalrat Otto Ineichen beurteilte Nachhaltigkeit aus unternehmerischer Sicht. Schüler der Kantonsschule Wettingen präsentierten mit eindrücklichem Engagement zwei der fünf für den "Talk im Trafo" professionell aufbereiteten Praxisbeispiele: Fairer Handel am Beispiel der "Gebana AG" (Präsentation durch Chantal Savaré) und die Geldwäschereiproblematik (Präsentation durch Christian Andres, Stefan Strub und Romain Paratte). Die fünf Projektberichte sind bei Binder Rechtsanwälte und bei Ernst & Young in Baden zu beziehen. 

Weshalb aber überhaupt der rasch wachsende Stellenwert der Nachhaltigkeit? Für Buomberger geht es um nichts grundsätzlich Neues. Ein Beispiel: Im 18. Jahrhundert etwa ging es um den Holzschlag, ohne die Waldnutzung späterer Generationen einzuschränken. Die heutige Aktualität begründet Buomberger unter anderem mit den Folgen von Globalisierung und Skandalen. Das fördere das Bedürfnis nach Vertrauen und Glaubwürdigkeit; nach etwas, das Bestand habe. Inhaltlich gehe es bei der Nachhaltigkeit nicht nur um das von der Naturwissenschaft zu bearbeitende Terrain. Buomberger betont die Bedeutung des Sozialkapitals. Ein Vertrauensverlust beschädige die Nachhaltigkeit von Rechtssystem und Marktwirtschaft. 

Für Buomberger ist deshalb klar: Unternehmen müssen bei der Förderung nachhaltigen Wirtschaftens eine wichtige Rolle spielen. Vor allem aber: Unternehmen sollen sich im eigenen Interesse auf Nachhaltigkeit ausrichten. Das zahle sich aus. Buomberger ist überzeugt, dass sowohl qualifizierte Mitarbeiter wie Geldgeber und Kunden zunehmend auf solche Faktoren achten werden. Er plädierte deshalb für den Wechsel vom "kurzfristigen Shareholder-Denken zu einem nachhaltigen Businessmodell des neuen Jahrhunderts". 

Für den Unternehmer Otto Ineichen (Inhaber und Verwaltungsratspräsident der OTTO's AG) heisst nachhaltige Unternehmenspolitik, den Kunden ins Zentrum zu setzen, Loyalität mit den Mitarbeitern und Treue zur festgelegten Strategie. Mangelnde Nachhaltigkeit sieht Ineichen beispielsweise bei Finanzdienstleistern, wenn diese Dienstleistungen nach Asien auslagern. Dieser Punkt traf im dem vom Tages Anzeiger-Chefredaktor Peter Hartmeier geleiteten Roundtable-Gespräch auf deutliche Kritik. Arbeitsplatzverschiebungen in die dritte Welt seien allenfalls eine Frage der fairen Bedingungen, nicht der Nachhaltigkeit. Ineichens eher enge Sicht einer nachhaltigen Unternehmenspolitik gab auch am anschliessenden Apéro Anlass zu Gesprächen. 

«Der Talk im Trafo in Baden ist mittlerweile zum eigentlichen In-Anlass geworden», freute sich Peter Athanas. Den Verwaltungsratspräsidenten und CEO von Ernst & Young Schweiz freute es besonders, dass auch immer mehr Gäste aus Zürich nach Baden kommen. Andreas Binder, Binder Rechtsanwälte, nutzte den gut besuchten Trafo Talk zur Ankündigung einer weiteren Entwicklung von Binder Rechtsanwälte. Das Motto heisse "Go West". Mit der Eröffnung einer Niederlassung in Aarau müssten die Westaargauer bald "nicht mehr den mühsamen Weg nach Baden gehen". Mit einer Ausnahme selbstverständlich. Dem Gang zum traditionellen "Talk im Trafo" im Januar. 

Das eigentliche Novum der etablierten Veranstaltungsreihe war die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule Wettingen. Fünf Gruppen hatten Praxisbeispiele zur Nachhaltigkeit erarbeitet. Die zwei besten Projektarbeiten wurden präsentiert. Leyla Wenk und Romain Paratte hatten die Courage, die Position der Kantonsschüler im Roundtable-Gespräch vor den 400 teils hochkarätigen Besuchern zu vertreten. Credit Suisse Schweiz-Chef Josef Meier gratulierte den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten und hielt es mit dem Fazit von Peter Athanas: "Vielleicht lösen diese Jungen alle Probleme, die wir kreiert haben".